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Les Vincenty

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Lanacolor : Atelier

Blanchette Maus

Blanchette Maus berichtet :

Niaiseries blanches

Ursprünglich sollten an dieser Stelle die ersten Ergebnisse meiner umfangreichen Forschungen zu Mausologie vorgestellt werden. Ja, ursprünglich. Doch inzwischen plagen mich ernste Zweifel, ob das Thema, das ich mir gestellt habe – letztlich war es ja meine Patronne, die es mir suggeriert hat -  wirklich ergiebig ist. Vielleicht bin ich auch ein wenig überfordert. Der andauernde Mistral tut sein übriges. Bei diesem Wetter Feldforschung zu treiben, da müsste man wirklich passioniert sein, um so etwas auf sich zu nehmen. Warum ich das ganze nicht stärker theoretisch angehe? Nun, den ganzen Tag am Schreibtisch bzw. am Computer zu sitzen, entspricht nicht meinem Temperament und ist gegen meine Natur und gegen seine Natur – sagen die Psychologen und Philosophen – soll man nicht handeln. Da ziehe ich Eck’s Knie oder das schöne dicke Kissen von Barbe ganz dicht am Ofen vor. Kurz, vergessen wir für eine Weile alle Mausologie.

Hier, in Les Vincenty, ist es Winter. Schnee hat es, wenn ich mich recht erinnere, vor zwei Jahren mal gegeben. Und Frost? Vor ein paar Wochen war es einmal draußen am Boden und auf den Dächern ganz weiß. Seitdem habe ich mir vorgenommen, erst auszugehen, wenn die Sonne etwas kräftiger ist. Aber dieser Mistral, ständig dieser Mistral. Schlimm ist er vor allem dann, wenn er es nicht einmal schafft, die dunklen Wolken zu vertreiben und seine Wut nur an den armen Bäumen und Sträuchern auslässt. Allerdings muss ich zugestehen, wenn man sich so den ganzen Tag im Warmen gekuschelt und gelangweilt hat, tut eine kurze Durchlüftung richtig gut, regt den Kreislauf an und - macht die Alten auf mich aufmerksam: „Wo ist Blanchette?“  „Hast Du Blanchette gehen?“ „Wann hast Du Blanchette zum letzten Mal gesehen?“ - Dann springe ich auf das Brett vor dem Fenster, das Eck zu meinem Komfort eigens angebracht hat, und einer von beiden eilt herbei, um das Fenster schleunigst zu öffnen. Warum sollte ich mich denn auch durch die enge Chatière zwängen, wenn man es viel bequemer haben kann. Als Dank dann ein kurzer Gruß und auf zu meinem Essensplatz. Normalerweise hat mir der Mistral so viel Appetit einpustet, dass ich die ‚Irresistibles’ (der Name einer Edel-Krackersorte) zwischen meinen immer noch robusten Zähnen mit knackendem Plaisir zerreibe. Habe ich Lust auf was besseres, so lasse ich mich erwartungsvoll vor meinen vollen Tellerchen nieder und versuche, den Blick auf mich zu lenken. Eck eilt zum Kühlschrank, zieht eine Schale mit saftigem magerem Hackfleisch heraus und beginnt sogleich damit, kleine appetitliche Kügelchen zu formen. Kein Wunder, wenn mir da das Wasser im Munde zusammenläuft. Entsprechend nachdrücklich – manchmal vielleicht zu ungestüm - fällt mein Dank aus, wofür ich dann prompt einen Tadel wegen meines wenig damenhaften oder gar ordinären Gehabes verpasst bekomme. Das stört mich wenig - ich genieße.

Nach dem Mahl setze ich mich einfach vor den Sessel und warte. Natürlich versuche ich dabei, einen melancholischen, halb klagenden, halb bittenden Blick aufzusetzen. Meist habe ich Erfolg. Der Alte eilt herbei, lässt sich in den Sessel nieder, die Knie brav geschlossen vorgesteckt.

Ich habe gewonnen und lasse mir Zeit. Eck’s Schoß ist nämlich etwas Besonderes. Da springt man nicht einfach wie ein dressiertes Zirkustier drauf. Das braucht seine Zeit. Erst wenn der Alte zu zweifeln beginnt, ob ich überhaupt Lust habe, sein Angebot anzunehmen, starte ich und fliege mit leichtem Schwung und einem kurzen ‚me voilà’ auf den Schoss. Manchmal, um es besonders feierlich zu machen, wähle ich auch den Umweg über die Fensterbank, um elegant von hinten über die Stofflehne auf den Schoss zu balancieren.

Nun beginnt mein eigentliches Leben: der Traum. Träumen, vor sich hin Dösen und zugleich etwas Geborgenheit, gibt es etwas Schöneres im Leben?

 

 

 

Les Vincenty - F-84100 Uchaux

Barbara Elisabeth Fink - e-mail : contact@lanacolor.fr & Eck Stoeve - www.eck-en-provence.fr - e-mail : eck@ils.fr